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Computerspiele(r) während der Coronakrise – ein subjektiver Überblick

Die einen treffen die derzeitigen Ausgangsbeschränkungen härter, die anderen weniger. Mit den anderen sind vor allem diejenigen gemeint, die ihre Kontakte schon vor Corona überwiegend online gepflegt haben. „Wir“ Gamer_innen können teilweise nur mit der Stirn runzeln, wenn sich uneinsichtige Extrovertierte dennoch in Scharen zur Party am Wasser treffen, weil sie sonst isoliert in ihrer Bude am Rad drehen würden.

Vielleicht aber liegt es auch einfach nur daran, dass die Nicht-Gamer gar nicht wissen, wie online Gemeinschaft ensteht und gelebt wird. Das können wir ändern!

„Discord? – Noch nie gehört. Was für eine Sportart ist das?“

Während der geneigte Gamer es immer schon genossen hat, wenn man die Kollegen abends online zu einer lockeren Runde CS:GO, Dota2 oder ähnlichen kompetitiven Games getroffen hat, kennt der stereotypische Nicht-Gamer meistens nur den direkten Sozialkontakt beim Club- oder Barbesuch als erfüllende Freizeitbeschäftigung. Diese Lebensweise ist derzeit aber alles andere als ungefährlich und sollte unter allen Umständen vermieden werden. Vielleicht ist es Zeit, doch einen Blick in die Welt der introvertierten Computernerds zu wagen und zumindest ein bisschen Inspiration für sich selbst daraus zu ziehen.

Wenn man ehrlich ist, hat die derzeitige Isolation zuhause bei den meisten Zockern nicht viel am Alltag geändert. Im Gegenteil – manchmal fühlt es sich sogar richtig gut an, wenn ohne schlechtes Gewissen stundenlang die fiktionale Story eines spannenden Games als Beschäftigung dient, und dabei die bedrückende Situation in der realen Welt für eine Weile ausgeblendet wird. Wer sich die aktuelle Verfügbarkeit (bzw. eben Nicht-Verfügbarkeit) von casual Spielekonsolen wie der Nintendo Switch auf dem deutschen Markt vor Augen führt, bemerkt, dass Games durchaus eine gefragte Option für die Bewältigung der derzeitigen Lage sind.

Auch wenn die computerspiellastige Lebensweise unter normalen Umständen nicht jedermanns Sache ist, soll hier doch eine kleine Übersicht gegeben werden, wie Gamer normalerweile über Distanz kommunizieren und dennoch eine Menge Spaß dabei haben. Außerdem sollen einige Spiele aufgeführt werden, die auch Einsteigern etwas Ablenkung in der aktuellen Krise bieten könnten.

Reden – Streamen – Zuschauen – Interagieren

Was Nicht-Gamer oft nur über Netflix kennen, ist in der Gamingwelt schon lange präsent: Streaming. Das findet vor allem über Twitch, seltener über Youtube Live und kleinere Anbieter statt. Twitch ist eine Plattform, auf der jeder registrierte User einen eigenen Stream starten und auch jeder Nutzer kostenlos zusehen kann.

Die überwiegende Anzahl der Streams sind gaming bezogen, aber auch andere Themen, beispielsweise ASMR, Food und Travel sowie Art Streams sind dort zu finden. Jemanden beim Zocken eines Games zu beobachten, ihn zu hören und mit ihm sogar über den Chat zu agieren, ist dabei ähnlich, wie dem großen Bruder damals über die Schulter zu schauen. Für die ausgehungerten Clubgänger würde es sich auch anbieten, einem Live-DJ-Stream zuzuschauen und sich so die Stimmung nach Hause zu holen – die Party findet auch im Netz statt.

Wer seine Freunde online dabei haben möchte, hat mannigfaltige Auswahl bei den Anbietern für Gruppen-Voicechats. Häufig genutzt werden für diesen Zweck Discord und Teamspeak, seltener Mumble. Während Discord den Vorteil hat, kostenlos zu sein und eine intuitive Benutzeroberfläche für die Einrichtung sowie eine interne Streamingmöglichkeit bietet, ist Teamspeak das Mittel der Wahl für alteingesessene Gamer.

Teamspeak Server müssen jedoch selbst über Webspace eingerichtet werden. Das kann bei manchen Anbietern je nach Anzahl der Nutzer teuer werden und erfordert etwas Spezialwissen, falls man den Server selbst in die Hand nehmen möchte. Die dann eingerichteten Server bieten Voice- und Textchannels, in welchen man sich unterhalten oder (subjektiv) lustige Memes teilen kann.

Hardware – wenn das Macbook keine Games mag

Eine weitere Voraussetzung um in die Welt der Games einzusteigen, ist natürlich die Hardware. Während der Computerspieler generell darauf achtet, sein überwiegend stationäres System im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten so aktuell zu halten, dass neue Titel wenigstens auf minmalen Einstellungen laufen, hat der Nicht-Gamer sein Gerät eher pragmatisch ausgewählt. Flaches Ultrabook Design, lange Akkulaufzeit, farbenprächtiger Bildschirm, integrierte Grafik und überhaupt mobil statt stationär.

Nur leider sind viele dieser Geräte für Gaming weniger geeignet, da weder CPU noch GPU mit aufwändigen Titeln mithalten können. Auch die für Studium und Arbeit beliebten Applegeräte sind aufgrund des Betriebssystems nicht mit allen Spielen kompatibel. Dennoch nicht verzagen, auch für lahme Kartoffeln und exotische Betriebssysteme gibt es einige spannende Titel auf dem Markt, die sich mit Freunden erleben lassen. (Spielekonsolen bleiben bei den folgenden Beispielen unberücksichtigt)

Browsergames – das Mittel der Wahl bei wenig Leistung

Wer sich weder Spiele installieren möchte, noch Geld in die Hand nehmen kann, wird im Segment der Browsergames fündig. Browsergames sind in der Regel kostenlose Spiele, die ohne Installation im Browser funktionieren und auch auf schwachen Geräten laufen. Davon gibt es auch einige, die mit Freunden gezockt werden können.

Ein spaßiger Abend kann beispielsweise mit lustigen Zeichnungen auf skribbl.io verbracht werden. Dort treffen sich entweder geschlossene Gruppen oder neu gefundene Mitspieler zum Raten und Zeichnen. Einer bekommt ein Wort vorgegeben, die Mitspieler müssen durch dessen Zeichnung das Wort erraten. Dabei entstehen wirklich ulkige Kunstwerke.

Was normalerweise auf geselligen Partys gespielt wird, funktioniert auch online. Das Kartenspiel mit viel schwarzem Humor, Cards against Humanity, kann bei diversen Anbietern im Browser gespielt werden. Eine optisch nicht ganz so ansprechende, aber kostenlose Variante nennt sich Pretend You’re Xyzzy. Einfach mal ausprobieren! Es ist gar nicht so anders, als real zusammenzusitzen.

Eine Weltreise unternehmen und das ohne vom Schreibtisch aufzustehen? Mit dem Geoguessr, welcher über Google Maps funktioniert, wird man als Spieler irgendwo auf der Welt, wo es Streetview Aufnahmen gibt platziert und muss innerhalb eines Zeitfensters eingrenzen, wo man sich befindet. Umso näher dran getippt, desto mehr Punkte. Die Runden lassen sich auch mit und gegen Freunde spielen. Um dieses Browsergame nutzen zu können, ist allerdings ein (kostenloser) Account erforderlich.

Einsteiger Games, die stundenlang fesseln

Wer in seinem Leben noch nicht so viel mit Games am Hut hatte, wird sich schwer tun, gleich mit einem knackigen Survival Shooter einzusteigen. Es gibt jedoch sogenannte casual Games, die auch für Einsteiger spannend sind und Motivation für viele Spielstunden bieten.

Ein Paradebeispiel ist das Pixel-Art Game Stardew Valley, bei welchem man nicht nur einen Bauernhof bewirtschaftet. Auch Freundschaften schließen, Abenteuer in der Mine, sowie Angeln und Tierhaltung stehen auf der Tagesordnung. Mit diesem Spielprinzip kann jeder etwas anfangen, vor allem, wenn man in der Kindheit Harvest Moon auf dem Gameboy gespielt hat. Einen Koop-Modus gibt es auch noch, wenn das ackern allein zu öde erscheint. Zudem ist das Spiel mit knapp 14€ günstig und bietet dafür viele Stunden Beschäftigung.

Ebenfalls beliebt unter Einsteigern sind die Simulatoren. Egal ob es nun Real-Life Simulation wie bei den Sims sein soll (Sims 3 bei Steam, Sims 4 über Origin), Städteplanung bei Cities Skylines oder der eigene Zoo bei Planet Zoo, bzw. Freizeitpark bei Planet Coaster. Bis man ein eigenes Imperium aufgebaut und optimiert hat, vergehen Tage und Wochen.

Eine Investition in solch einen Titel lohnt, wenn man viel Zeit herumzubringen hat. Meistens bestehen solche Titel aus dem Grundspiel, sowie einigen Erweiterungen, die extra erworben werden müssen. Das kann schonmal kostspielig werden. Wir persönlich haben uns mit Planet Zoo in einem Spieletest beschäftigt. Leider sind Simulatoren keine Multiplayer, sondern für den Solo Genuss konzipiert.

Games für Solo- und Gruppenkarrieren

Natürlich gibt es auch reihenweise designierte Multiplayer, die allein nur wenig Spaß machen. Gerade für Einsteiger in die Materie empfehlen sich lockere Titel, bei denen auch Anfänger ihre Erfolgserlebnisse feiern können, ohne gleich von Profis vom Server gescheucht zu werden.

Der Klassiker Minecraft wäre ein gutes Beispiel dafür. Ob man nun die Vanilla Version (= Minecraft ohne Mods, nur das Grundspiel) nutzt, oder sich gleich in komplizierte Modpacks stürzt: wochenlange Unterhaltung ist mit diesem Game garantiert. Auch wenn viele den Titel eher Kindern zuordnen, weckt das Erbauen, Erkunden und Tüfteln auch bei Erwachsenen gute Laune. Minecraft gibt es als Java und Microsoft Store Version. Bei ersterer muss man sich etwas mit der Installation und Servereinrichtung auseinandersetzen, kann aber Erweiterungen kostenlos hinzufügen. Die Microsoft Variante basiert überwiegend auf Mikrotransaktionen.

Etwas weniger kindlichen Charakter, dafür fleischhungrige Zombies offeriert 7 Days to Die. Dieses Game ist sozusagen Minecraft im düsteren Zombiemodus. Innerhalb einer offenen, fast grenzenlosen Welt können sich mehrere Spieler eine Basis zur Verteidigung gegen Horden errichten. Der Hauptaspekt liegt bei 7 Days to Die mehr auf PvE (Player versus Enemy, also gegen KI Gegner Zombies) als auf PvP (Player versus Player, also gegen echte Spieler). Aber Gefechte gegen andere Überlebende sind durchaus möglich, wenn auch nachrangig. Bis das eigene Überleben gesichert ist und die Zombiehorden nicht jedesmal die komplette Basis überrennen, kann man als Gruppe enorm viel Zeit investieren. Kostenpunkt sind etwa 23€.

Wer Open World Games auch nicht so doll findet, für den gibt es auch ganz gediegene Multiplayer. Der Tabletop Simulator holt den Brettspieleabend mit Freunden auf den Bildschirm. Mit diesem Grundspiel können nicht nur „Mensch ärgere dich nicht“ oder „Uno“ online stattfinden, sondern auch andere bekannte Brettspiele wie „Die Siedler“ oder „Munchkin“. Dafür müssen die jeweiligen Assets zusätzlich aus dem kostenlosen Steam Workshop gezogen werden. Wer auf den ehemals realen Brettspieleabend auch in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen nicht verzichten kann, ist mit dem Tabletop Simulator für knapp 20€ bestens bedient.

Ewige Zeitfresser

Einmal in die Welt der Games abgetaucht, gibt es auch Titel, die einen für Monate beschäftigen. Für fortgeschrittene Zocker haben wir hier ein paar Zeitfresser aufgelistet, die aufgrund immer neu erscheinender Inhalte für eine gefühlte Ewigkeit Spielspaß bieten.

Das MMO Path of Exile gibt es schon seit vielen Jahren. Der ursprünglich an Diablo angelehnte Titel beginnt zweimal im Jahr eine neue Season mit Verbesserungen, Änderungen und Erweiterungen des eigentlichen Spiels. Jedesmal kann sich ein neuer Charakter erstellt werden, der sich mit seinen Fähigkeiten durch die Story bis an die Spitze kämpft. Das Geniale an diesem Game ist, dass es seit jeher kostenlos ist und der Item Shop wirklich nur kosmetische, nicht spiel-relevante Objekte enthält. Mit diesen werden die Entwickler unterstützt, aber kein Spielvorteil erkauft. Der Spielinhalt ist mittlerweile so umfangreich, dass Einsteiger sich unglaublich schwer tun, alle Möglichkeiten zu erfassen. Schon allein der Blick auf den schier endlosen Skill Tree zeigt, dass hiermit enorm viel Zeit verbracht werden kann.

Ein weiteres MMO mit Zeitfresserpotential ist Elder Scrolls Online. Den meisten wird der RPG Klassiker Skyrim ein Begriff sein, ESO umfasst aber die gesamte Welt Tamriels mit den gleichen Spielmechaniken. Das Game besteht aus einem günstigen Grundspiel und kostenpflichtigen Erweiterungen. Wer aber dennoch alles sehen möchte, kann ein monatliches Abo abschließen, bei welchem nicht nur alle Erweiterungen (bis auf die aktuellste), sondern auch weitere Spielvorteile wie ein Handwerksbeutel fürs Inventar beinhaltet sind. Das kommt dem Geldbeutel auf kurze Zeit deutlich günstiger, als gleich alle Erweiterungen zu erwerben. Das Grundspiel gibt es oft für unter 10€, das monatliche Abo beläuft sich auf etwa 13€. Liebhaber mittelalterlicher, magischer RPGs sollten auf jeden Fall bei ESO hineinschnuppern.

Stay at home – Game on!

Wer bis hier hin noch nichts gefunden hat, das es wert wäre, einmal auszuprobieren, bleibt aber hoffentlich trotzdem so lange wie nötig daheim. Wie dargestellt, ist es gar nicht so schwer und vor allem auch kostenlos möglich, online Kontakt zu Freunden zu halten und mit ihnen zusammen etwas zu erleben. Und das sogar ohne andere Menschen zu gefährden.

Fun Fact zum Schluss: Das schon etwas in die Jahre gekommene Game Plague Inc. Evolved erlebte nach dem Corona Ausbruch einen wahren Ansturm. Hier ist das Spielziel, durch Pandemien mit Viren und Bakterien die gesamte Welt zu erreichen. Wer so viel schwarzen Humor besitzt und sich durch andere Games nicht hervorlocken lässt, könnte dann hier fündig werden.

Bildquellen:

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