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Die Gamescom 2020 Opening Night Live – so spannend wie Socken stricken

Coronabedingt findet die Gamescom dieses Jahr schweren Herzens nur digital statt. Dennoch entschied man sich, die Opening Night zumindest als Livestream auszutragen. Diese Opening Night war auch bei der letzten Gamescom eines der Highlights, das gut moderiert wurde und eine fantastische Vorstellung und Einleitung für die kommenden Messetage lieferte.

Im Livestream aber wirkt das einstige Juwel farblos, öde und unglaublich schlecht umgesetzt. Was so los war, und warum das so auf uns gewirkt hat, wollen wir natürlich nicht vorenthalten. Auch wenn es wirklich unglaublich schwer fällt, das Event, auf das man das ganze Jahr hingefiebert hat, so kritisieren zu müssen.

Gamescom
So sah die Gamescom noch vor Corona aus

Live is Life? – Na Na Na Na Nö, eher nicht

Zunächst machte die Opening Night „Live“ ihrem Namen absolut keine Ehre. Das Event wirkte wie vorher aufgezeichnet. Es fand keine Interaktion mit dem Chatpublikum statt, was vielleicht irgendwie Publikumsatmosphäre erzeugt hätte. Nicht mal künstliches Publikum blendete man ein. Keine Umfragen oder Hashtag-Analyse, welches Spiel besonders gut ankommt für zwischendurch.

Zwischen all den Trailern, die unbarmherzig, thematisch katastrophal sortiert, von einem zum anderen herausgehauen wurden, wäre so ein aufgezeichneter Applaus als kurze Verschnaufspause ein Segen gewesen. So freute man sich sogar über die Red Bull Werbung.

Die Moderation hetzte von Werbetrailer zu Werbetrailer. Da sind selbst die Damen vom Teleshopping, die dir nachts auf RTL Kupfertöpfe und Stützstrümpfe andrehen wollen mit mehr Elan dahinter. Aufgeleichtert wurde der Dauerwerbeblock nur dann, wenn die Moderatorin mit dem 2 Größen zu kleinem Top (der rechte Oberkörper hatte leider nur zur Hälfte Platz im Stoff) ihre wenigen, ebenfalls aufgezeichneten Sätze zu den Awardgewinnern aufsagen durfte, und der Twitch-Chat blitzartig pubertierte. Ob das mit dem Outfit so gewollt und durchdacht war, obwohl man schon vor Jahren als Message die ähnlich verpackten Messebabes abgeschafft hat?

Halbherzige Werbevideos

Nun aber von der Brust zurück nach innen zum „Heart of Gaming“. Dieses Jahr eben nur in Form von mehr oder weniger mit Herzblut gefüllten Trailern. Den Start machte wohl das AAA-Highlight, Call of Duty – Black Ops Cold War. Keine Überraschung, aber ein würdiger Start. Das darauf folgende Unknown 9 hatte einen fesselnden Trailer, der tatsächlich Lust auf mehr von der Story machte, aber leider kein Gameplay enthielt um sich vom Spiel etwas vorstellen zu können. Doom Eternal Ancient Gods hielt mit viel Gore und blutigem Geschnetzel auch noch einige Zuschauer bei Laune. Das aktuell in Entwicklung befindliche Dragon Age enttäuschte dann leider mit vielen oberflächlichen Interviews, vereinzelten Concept Arts und texturbefreiten 3D Modellen.

Die Show, bzw. Videoaneinanderreihung, baute dann nach dem mäßigen Start schwach ab, weil als nächstes Mobile Games / Gelegenheitsspiele wie Surgeon Simulator 2 und Bridge Simulator: Walking Dead Edition folgten. Ein 5 Sekunden Trailer zu einem neuen Sam und Max Adventure ging im Dauerwerbeblock fast unter.

Bei der neuen WoW Expansion rettete ein Streamabsturz vor gähnender Langeweile, bzw. den akustisch vertonten Konzeptzeichnungen, in welchen etwa 5 Minuten lang die Story breit getreten wurde. Der Chat kommentierte diesen grafisch zwar schönen, aber spannungstechnisch unterwältigenden Trailer zutreffend mit einer Armada aus „Resident Sleeper“ Emotes.

Richtig erholen konnte sich der Livestream danach nicht. Der Ton war im Folgenden trotz Refresh versetzt zu den Lippenbewegungen zu vernehmen. Super unangenehm. Es konnte ja auch niemand ahnen, dass da heute abend so viele Leute zusehen werden. Das darauf folgende Warhammer Video kann von unserer Seite daher nur als Diashow mit kryptischen Soundfetzen beschrieben werden. Das Bild wurde wieder flüssiger, als ein als Crash Bandicoot kostümierter Schauspieler durch Köln spazierte. Generell stürzte der Stream im Verlauf des Abends noch mehrmals ab und viele Beiträge gingen so leider unter.

Es folgten nun zahlreiche Trailer, von denen manche mehr, manche weniger gut hängen blieben. Vom Anime Fifa (Captain Tsubasa) bis zu noch einem Battle Royale (Hyperscape) war viel Durchschnittliches darunter.

Die (persönlichen) Highlights

Persönlich überzeugt hat uns Little Nightmares II. Ein Game, dessen Trailer auch ohne Worte überzeugte und seine düstere, fesselnde und beängstigende Ästhetik für sich sprechen lies.

Genauso der kurze Trailer zu Twelve Minutes (den wir aber definitv vorher schon irgendwo gesehen haben)

Außerdem war die Sims 4 Erweiterung, Star Wars – Journey to Batuu eine echt witzige, gelungene Vorstellung.

Melkt die Star Wars Kuh!

Aus dem Star Wars Franchise gab es verhältnismäßig viel zu sehen, denn schließlich muss EA ja was aus der sündhaft teuren Lizenz basteln und jetzt einen Titel nach dem anderen dazu herausgeben. Der eigentliche AAA-Anwärter, Star Wars Squadrons, ein Missions-Flugsimulator, war schon im Video langweilig und erhielt auch kaum Resonanz im Chat. Das Lego Star Wars – Skywalker Saga wirkte da schon viel herzlicher und vor allem waren Porgs dabei! Dennoch fragt man sich als geneigter Beobachter, warum man aus dieser massiv potenten Lizenz nicht mehr macht.

Aufgewärmte Pizza wurde mit dem Mafia Definitive Edition präsentiert (höhö – Mafia, Pizza?). Aber das ist wie mit richtiger Pizza: schmeckt aufgewärmt ganz okay, aber frisch um einiges besser. Schade also, dass es nur eine aufgehübschte Version des alten Klassikers ist, und kein neues Game. Genauso eine remasterte Version eines alten Schinkens gab es mit der Age of Empires III Definitve Edition.

Zwischen die Trailer gestreut wurden einige Gewinner der Jury-Gamescom-Awards. Wenn man aber nicht genau aufgepasst hat, ist auch diese Präsentation ziemlich untergegangen. Die Opening Night schleppte sich dann über weitere farblose Trailer bis zum weiteren Highlight, die Ankündigung der 2. Season des Überraschungserfolgs Fall Guys. Diese bekommt übrigens einen mittelalterlichen Look verpasst, hatte aber auch nur kurze Einblicke in das Gameplay parat. Danach schalteten etwa 30.000 Zuschauer abrupt ab, nur wenige hielten bis zum letzten Highlight und Schlussakkord Destiny 2: Beyond Light durch.

Durchwachsener bis schwacher Abend

Insgesamt lässt uns diese Opening Light mit wenig Euphorie zurück. Die Moderation war schwach und hätte deutlich interaktiver gestaltet werden können um auch wirklich Liveness herüberzubringen. Die viel zu schnell aufeinander folgenden Trailer konnte man gar nicht auf sich wirken lassen. Es wäre fantastisch gewesen, die Zuschauer mit einzubinden und Stimmungsbarometer einzufangen.

Wirkliche Sehnsuchtstitel, die ich mir jetzt unbedingt aufgrund des Videomaterials kaufen möchte, waren in den Premieren auch nicht zu finden. So richtig überzeugend und überraschend neu war leider überhaupt nichts, wenngleich doch einige Vorstellungen zumindest Interesse geweckt haben.

Hoffen wir, dass es nächstes Jahr wieder die Möglichkeit zu einer echten Gamescom gibt. Sowas wie heute Abend kann man sich für die Zukunft leider sparen.

Bildquellen:

Titelbild: eigener Screenshot aus dem Livestream

Gamescom: eigene Aufnahme aus 2013

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