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Planet Zoo – Spieletest der Zoo Simulation

Zoo Tycoon – lange ist’s her

Es ist eine Kindheitserinnerung – mit „Zoo Tycoon“ habe ich in meiner frühen Jugend so manche Tage vor dem Bildschirm verbracht. Einen eigenen Zoo erschaffen, erst mit ganz gewöhnlichen Tieren, später dann dank Addons mit ausgefallenen Wesen wie Meeresbewohnern und sogar Dinosauriern (die manchmal auch einen Besucher auf dem Speiseplan hatten).

Da die Zoo Tycoon Reihe zu Microsoft Games gehörte und die Gamesparte dort schon vor längerer Zeit eingestampft wurde, gab es lange keinen würdigen Nachfolger. Über die unsägliche Online-Adaption möchte ich am Liebsten kein Wort verlieren, doch sei Zoo Tycoon: Ultimate Animal Collection hier wenigstens erwähnt. Zwar fanden sich mit „Wildlife Park“ weitere Nachahmer im Steam Store, doch die Bewertung dieser Konkurrenz fiel eher mäßig bis schlecht aus.

Leider konnten, wahrscheinlich aufgrund der Lizenzen, die alten „Zoo Tycoon“ Games auch nie auf Steam erworben werden. Die originalen Installations-CDs hatten auch so ihre Tücken, da sie mit aktuellen Betriebssystemen nur mäßig kooperieren wollten, oder der uralte Software-Kopierschutz einen Strich durch die Rechnung machte. Das klassische „Zoo Tycoon“ war daher auf neuen Geräten kaum spielbar.

Aber genauso wie bei der beliebten „Rollercoaster Tycoon“ Reihe, bei der es auch lange keinen guten Nachfolger gab, gibt es nun Licht am Ende des Tunnels: Die Macher von „Planet Coaster“ haben sich dem Zoo Simulator angenommen und am 5. November „Planet Zoo“ veröffentlicht. Aber wie spielt sich das neue Zooerlebnis?

Ohne Tutorial geht’s nicht

Wer „Planet Zoo“ spielt, ohne sich vorher ausgiebig mit „Planet Coaster“ beschäftigt zu haben, wird erstmal enorme Schwierigkeiten mit der Steuerung haben. Diese ist nämlich nicht besonders intuitv.

Zum Glück haben die Entwickler mitgedacht, und ein ausführliches Tutorial mit ins Spiel gepackt. So lernt man schnell, wie Gehegebarrieren errichtet werden, oder welche Mitarbeitergebäude nötig sind, damit der Zoo funktionieren kann. Auch die Kamerasteuerung geht so schnell im Fleisch und Blut über. Dennoch: das Tutorial ist zwingend nötig! Einfach so auf ein leeres Gelände stürzen und einen Zoo gestalten, erweist sich als schwierig.

Das Tutorial ist somit der optimale Einstieg in die Zoo Welt – und mit Mentor Bernie auch ganz witzig gestaltet.

Tiere kaufen – halten – züchten

Quintessenz im Game ist natürlich das Halten vieler verschiedener Tierarten. Obwohl sich die Entwickler bestimmt einige Arten für DLCs vorbehalten haben, ist die Auswahl dennoch groß. Von Aldebara-Schildkröte bis Zebra sind insgesamt eine gute Anzahl Tierarten im Artenkatalog. Bisher sind allerdings nur Bewohner für Landgehege und Vivarien erhältlich. Meerestiere sind nicht vorhanden.

Die Zoobewohner werden über ein Handelssystem erworben. Dort bezahlt der Zoobesitzer entweder mit ingame-Dollar oder mit Arterhaltungspunkten. Zweitere lassen sich durch Zuchtprogramme mit anschließender Freilassung erreichen. Je seltener und gesünder das gezüchtete Tier, desto mehr Punkte gibt es beim Abschied in die Freiheit.

Das Zuchtprogramm kann ebenfalls gesteuert werden, indem die genetischen Voraussetzungen der möglichen Partner analysiert werden. So können eventuelle Schwächen schon im Voraus verhindert werden. Sollte die Population einem über den Kopf wachsen, gibt es die simple Option, Verhütungsmittel zu verabreichen. Dann ist erstmal Schluss mit weiterer Vermehrung.

Die Gehege müssen verschiedenen Anforderungen entsprechen. Nicht nur das Gelände, sondern auch die Bepflanzung, artgerechte Futterstellen und Beschäftigungsspielzeug sind für jede Art einzeln anzupassen. Vieles muss erst erforscht werden, um die Tiere glücklich machen zu können.

Besonders gelungen ist in „Planet Zoo“ die Tierkamera. Die Lebewesen lassen sich alle direkt mit der Kamera verfolgen und sind dabei detailliert gestaltet. Auch das gezeigte Verhalten sieht lebensnah und nicht statisch aus. So agieren die Zoo Bewohner auch in der Kameraansicht mit ihren Spielzeugen oder zeigen arttypisches Verhalten wie Balztänze oder Kletterkünste.

Gebäude bauen und verschönern

Ein weiterer Zeitfresser ist das Gestalten der Zoogebäude. Mitarbeitergebäude, Imbissbuden und Vivarien sollen nicht nur luftleer im Park stehen, sondern auch ein Schmankerl fürs Auge sein. Dazu gibt es eine breite Auswahl an Wänden, Dekorationen, Pflanzen, Beleuchtung, etc., welche den Zoo gleich viel besser aussehen lassen. Standard Designs sind freigeschalten, weitere lassen sich im Laufe des Spiels durch Techniker erforschen. Zwar funktionieren die Gebäude auch ohne Schnickschnack außen herum, jedoch bringt Szenerie einen Bonus auf die Effizienz der Gebäude.

Die Gestaltung ist ebenfalls nicht ganz trivial. Bis ich herausfand, wie man ein Dach auf den Wänden platziert (SHIFT-Taste), verging einiges an Zeit. Auch Wanddekorationen bleiben oft nicht an der Oberfläche, auf der sie hin sollten. An der Gestaltung der Innen- und Außendekoration lässt sich so eine Menge Zeit verbringen.

Mitarbeitergebäude – wohl das Schlimmste auf der Welt

So ein Zoo wäre so schön – wenn da nicht die nervigen Besucher wären! Die wollen für ihr Eintrittsgeld möglichst gut unterhalten werden. Was sie absolut nicht sehen wollen, sind Mitarbeitergebäude. Die machen sie „richtig sauer“. Daher sollte beim Errichten des Tierparks darauf geachtet werden, dass Mitarbeitergebäude, vor allem Generatoren, einen Radius haben, innerhalb dessen sich Besucher gestört fühlen. Da hilft dann auch keine Dekoration oder blickdichte Barrieren. Besucherwege sollten daher am Besten in gebührendem Abstand zu den Funktionsgebäuden entlang führen.

Zudem sind einige Gebäude essentiell für Forschritt: Forschungszentren und Werkstätten werden vom Personal benötigt, um Tierbedürfnisse und neue Dekorationen zu erforschen.

Online Modus: Franchisezoo – Offline Modus: Szenarien

Eine innovative Sache bei „Planet Zoo“ ist der Franchisezoo, welcher im online Modus gespielt wird. Hier erwirbt der Zoodirektor direkt von anderen Spielern Nachzuchten und überflüssige Tiere. Allerdings wird hier hauptsächlich mit den teuren Arterhaltungspunkten gezahlt. Diese sind recht aufwändig zu generieren und so bietet der Franchisezoo einen langfristigen Spielspaß.

Im Singleplayer Modus sind vor allem der Karriere Modus und die Herausforderungen interessant. Mir hat allerdings nicht gefallen, dass viele Szenarien einen vorgebauten Zoo enthalten, der einfach nur besser gemanaged werden musste. So war wenig Eigenkreativität möglich. Zudem waren die vorgegebenen Zoos zwar eine Augenweide, aber teilweise derart unpraktikabel. Ein Safari-Zoo beispielsweise war riesengroß, hatte aber nur einen Gehege Zugang. Ist ein Tier erkrankt, ist es daher bereits in lebensbedrohlichem Zustand, bis der gerufene Tierarzt die weite Reise durch das Gehege hinter sich hatte, um das Tier zu erreichen. Da macht der Franchise-Modus deutlich mehr Spaß.

Käfer – Gibt’s auch im Zoo

Gerade zum Thema Zoo passt auch das Thema Bugs/Käfer. Von denen hat „Planet Zoo“ trotz Alpha- und Beta-Testphase noch recht viele.

Am ärgerlichsten ist die Instabilität des Games. Crashes sind seit Release noch sehr häufig. Zwar sind die Entwickler bemüht, Hotfixes dafür zu veröffentlichen, doch wenn einem der eigene Zoo mehrmals in der Stunde abschmiert und so auch der Autosave nicht greift (also alles bis zum letzten manuellen Save einfach weg ist), trübt dies den Spielspaß sehr.

Auch kleinere Ingame Bugs sind vorhanden: Erleichtern sich Tiere wie Nilpferd und Krokodil Unterwasser, fühlt sich kein Pfleger verantwortlich, das Häufchen am Grund zu beseitigen. Das Gehege verdreckt und Tiere wie Besucher sind empört. Wenn im Nachtmodus Infofenster geöffnet werden, wird der Zoo so dunkel, dass selbst nach Schließen des Fensters das Gefühl entsteht, man wäre von einem Scheinwerfer geblendet worden. Es ist aber positiv anzumerken, dass sich die Entwickler im Steam Community Hub um jegliche Bugmeldungen kümmern.

Fazit

Ja – „Planet Zoo“ macht mächtig Spaß. Als ich das Game am Releasetag gestartet habe, es war schon früher Abend nach der Uni, und dann nach den ersten Gehegen und Gebäuden auf die Uhr geschaut habe, war es bereits nach Mitternacht. Man hat gar nicht bemerkt, wie die Zeit verfliegt!

Grafisch ist das Spiel ebenfalls eine Augenweide. Tiere, Gebäude, Landschaft – alles ist detailliert gestaltet und aus allen Winkeln schön zu betrachten.

Die Musik ist stark an „Planet Coaster“ angelehnt und klingt teilweise sehr ähnlich. Leider wurden auch Tracks mit dem imho akustisch nicht so schönen Kinderchor übernommen. Diese wiederholen sich in Endlosschleife. Zu Beginn ist das nicht weiter schlimm, nach 3-4 Stunden Spielen wünscht man sich aber mehr Abwechslung. Was ebenfalls extrem nervig ist, sind die lauten Schreie der blauen Pfauen. Ich bin dazu übergegangen, deren Gehege an ein Ende des Zoos zu setzen, über das ich nicht oft scrolle. Hübsche Tiere, aber fürs Ohr eine Belästigung.

Die Steuerung ist wie erwähnt nicht intuitiv, zumindest der Gehege- und Transportbahnbau wird aber gut im Tutorial erklärt. In den Dekorationsmodus kann man sich selbst nach einiger Zeit hineinfuchsen, vor allem, wenn man das Prozedere schon aus „Planet Coaster“ kennt.

Im Vergleich zu den alten Zoo Tycoon Games gibt es viele positive Neuerungen: Das genetische Zuchtprogramm, Tierhandel, Freilassungen und vor allem das lebensnahe Verhalten im Gehege sind dabei aufzuführen. Das i-Tüpfelchen ist für mich der Online-Modus mit dem Franchisezoo.

Leider ist das Game sehr hardwarehungrig. Für optimale Leistung wird ein starker Prozessor (i7-4770K / Ryzen 5 1600) und eine gute Grafikkarte (GTX 1070 / RX 580) erwartet. Ich habe das Game mit einem Ryzen 5 2600 und einer Vega 64 getestet. Hier kam es nur bei Besucherballungen zu leichten Rucklern, der Rest lief flüssig auf hohen Einstellungen.

Insgesamt ist „Planet Zoo“ den Erwartungen als Zoo Tycoon Nachfolger absolut gerecht geworden. Es ist eine gute Simulation, die zumindest in den Herausforderungen und als Franchisezoo völlig frei gestaltet werden kann. Ich freue mich schon auf kommende DLCs mit weiteren Tierarten!

Spielspaß
Grafik / Design
Musik
Steuerung
Innovation
Story
Reicht niedrige Hardware?
Durchschnitt:
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Bildquellen:

Planet Zoo: Alle Bilder eigene Screenshots

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